BIM: Wie fange ich an? 7 gute Tipps für den Start mit BIM

10 Monate nach dem Start meines Blogs möchte ich einmal etwas allgemeines über BIM schreiben. Ich werde oft gefragt, wie man als Planer am besten mit der Thematik anfängt. Ich bin zwar Tragwerksplaner, denke aber, dass die folgenden Tipps auch für andere Gewerke gelten. Vielleicht nutzt auch mal jemand die Kommentarfunktion? Das Thema bietet sich an!

 

1.      Ignorieren Sie das Thema nicht!

Über BIM wird nun schon seit vielen Jahren geredet. Vor 10 Jahren war es richtig, das Thema erst einmal zu ignorieren und die Entwicklung abzuwarten. Dies hat sich aber mittlerweile geändert. Die technische Entwicklung ist soweit fortgeschritten, dass viele Bauherren für geeignete Projekte die Anwendung von BIM verlangen oder in naher Zukunft verlangen werden, weil – insbesondere im Hochbau – die Vorteile für den Bauherrn mittlerweile bewiesen sind. Wer jetzt wartet, bis er zur Anwendung von BIM gezwungen wird, ist vermutlich zu spät dran und wird den Auftrag vielleicht gar nicht bekommen.

2.      Fangen Sie mit little BIM an

BIM ist nicht nur dann BIM, wenn alle an Planung und Bau Beteiligten BIM anwenden. Eine Voraussetzung hierfür ist nämlich, dass alle die Anwendung in ihrem Fachgebiet verstehen. So wie jeder Orchestermusiker sein Instrument beherrschen und seine Noten kennen muss, bevor eine erste gemeinsame Probe Sinn macht, muss jeder an einem Big-BIM Projekt Beteiligte seine Prozesse und Arbeitsmittel kennen. Zudem zeigen die Erfahrungen zahlreicher früher Anwender, dass die Anwendung von BIM nur für die eigenen Prozesse ökonomisch und qualitativ höchst erfolgreich sein kann. So modellieren einige Tragwerksplaner ein 3-D-Modell auch wenn Sie vom Architekten 2-D Pläne bekommen um damit eine konsistente Berechnung, Positions- Schal und Bewehrungspläne erstellen zu können.

3.      Holen Sie sich externe Beratung und Schulung

Klar, kein guter Berater wird für billiges Geld tätig. Dennoch wird sich eine qualifizierte Beratung und Schulung immer amortisieren. Überlegen Sie, was es kostet, wenn Ihre Mitarbeiter sich das erforderliche Wissen selbst aneignen.

4.      Investieren Sie in Standards (Template und Familien)

Allen BIM Programmen ist zu eigen, dass sie ein erheblich strukturierteres Planen und Denken erfordern als CAD. Dies führt in der Regel auch zu höherer Qualität des Planungsergebnisses. Erreicht wird dies durch die Verwendung von Projektvorlagen und Familien. Letzteres ist vergleichbar mit den Blöcken in CAD, allerdings auf einem erheblich höheren Niveau. Investieren Sie in Bibliotheken mit Familien und pflegen Sie diese weiter, wenn sie im Projektverlauf verbessert werden.

5.      Investieren Sie in Ihre Mitarbeiter

„It’s all about people! “. Der Erfolg eines BIM Projekts wird nicht durch Computer, sondern durch Menschen erreicht. Mit gut geschulten Mitarbeitern steigern Sie die Erfolgsaussichten Ihres Projekts ganz erheblich. Es lohnt sich auch, bei Neueinstellungen die BIM Kompetenz zusätzlich zu den bisher verlangten Kompetenzen abzufragen. Schon ein Spezialist auf diesem Gebiet kann seine Kenntnisse im Team weitergeben und somit mithelfen, die Zukunft Ihrer Organisation sichern.

6.      Denken Sie nicht in alten Mustern

BIM bedeutet „Wir“ statt Ich. Es funktioniert nicht, wenn wir weiter in alten Mustern denken. Wir müssen lernen, ein Bauwerk gemeinsam und nicht gegeneinander zu planen und zu bauen. Das typisch deutsche Bedenkenträgertum kann nicht zum gewünschten Ergebnis führen. Auch die bisher übliche Arbeitsteilung zwischen Konstrukteuren und Ingenieuren wird sich verändern. Teams aus beiden Berufsgruppen werden parallel und nicht nacheinander ein Projekt bearbeiten. Es ist klar, dass Pläne noch eine längere Zeit das Ergebnis des Planungsprozesses sein werden. Diese Pläne sind aber Abfallprodukte aus einem Modellierungsprozess, die schon nicht mehr alle Informationen enthalten.

7.      Geben Sie nach ersten Rückschlägen nicht auf

Jeder, der etwas Neues anfängt, wird nicht immer beim ersten Mal erfolgreich sein. Auch BIM ist ja kein Allheilmittel, Sie werden anfangs Rückschläge erleiden. Geben Sie nicht auf, Durchhaltevermögen lohnt sich. Und selbst wenn Sie aus Zeitgründen im Projektverlauf auf die herkömmliche Arbeitsweise wechseln müssen: Analysieren Sie danach, was falsch gelaufen ist und was verbessert werden muss. Nur so kann es beim nächsten Projekt besser werden.

Das Baugesuch

Eberhard Beck, WaBePlan -  Thomas Fink, SOFiSTiK - Peter Larsson, Wolff & Müller (v.l.n.r.)

Am Gründonnerstag war es dann soweit: Ich bekam Besuch von unserem Generalübernehmer Peter Larsson (Wolff & Müller) und dem Architekten Eberhard Beck (Wabe-Plan). Sie brachten 5 mitteldicke Mappen und ich durfte eine gefühlte Stunde lang unterschreiben. Danach gingen die Unterlagen an die Bauordnungsbehörde und in Kopie an die Nachbarn. Der zweite große Schritt nach dem Grundstückskauf war geschafft.

Wir haben nicht nur Pläne sondern auch ein Revit-Modell im nötigen Detaillierungsgrad, das wir so bauen wollen, sofern es genehmigt wird. Aber da haben wir ja bereits einige Gespräche mit den zuständigen Stellen geführt. Die Außenabmessungen und alle tragenden Bauteile sehen wir als fertig geplant an. Im Blog kann man sehen, wie wir uns vom allerersten Entwurf zu der jetzt eingereichten Lösung hin entwickelt haben.

Die wesentlichen Pläne möchte ich meinen Lesern nicht vorenthalten:

Längs- und Querschnitt

Freianlagen

Ansichten

Grundrisse

Und dann haben wir ganz einfach und schnell mit unserer Applikation 3-D-PDF Export eine dreidimensionale PDF erzeugt. Der neue Acrobat Reader DC ist vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber wenn man mit einem Rechts-Klick im Menü Werkzeuge die Werkzeugleiste eingeblendet hat, kann man sich das Modell schön ansehen. Besonders gefällt mir die Möglichkeit, Schnitte durch das Gebäude zu legen.

Wie geht es nun weiter? Wir fangen sofort mit der Ausführungsplanung an, insbesondere kommen nun die Feinplanungen der Innenarchitektur. Bleiben Sie dran!

Creative design from the South

Get in touch with us!