Der Auftrag

Wie im letzten Beitrag berichtet, haben wir für eine Planungsphase „0“ einen kleinen Auftrag vergeben, und zwar an das Stuttgarter Familienunternehmen WOLFF & MÜLLER. Diese stellte ein Planungsteam zusammen, das uns in einem Workshop in Stuttgart präsentiert wurde.

Alle Büros haben Erfahrung im Umgang mit Revit und haben mit WOLFF & MÜLLER bereits zusammengearbeitet. Boll und Partner ist seit vielen Jahren Kunde unseres Hauses und in der jungen Generation einer unserer „Vorzeigekunden“ für BIM.

WOLFF & MÜLLER übernimmt neben der Generalplanung auch die BIM Koordination. Technisch wird die Planung auf Citrix Servern ausgeführt, die im Hause WOLFF & MÜLLER stehen. Es wird ein gemeinsames Modell für Architektur und Tragwerksplanung geben sowie ein damit verknüpftes für die technische Gebäudeausrüstung. Also „BIG BIM“ aber Closed. Von einem Open BIM Kozept wurde uns dringend abgeraten, aber das hatten wir ja ohnehin nicht im Sinn.

Workshops

Von einigen „Aha-Erlebnissen“ während der Workshops kann ich noch berichten:

  • Uns wurde ein Preis für die Planungsphasen 1-4 der HOAI angeboten, das ist alles bis zur Genehmigungsplanung. Nach meiner Meinung macht das bei einer BIM Planung keinen Sinn, ich habe ein Angebot für die gesamte Planung angefordert und auch beauftragt.
  • Es scheint sinnvoll zu sein, die Baufirma bereits bei den ersten Planungsüberlegungen am Tisch sitzen zu haben, sie kann immer relativ schnell ein Preisschild an alle Planungsalternativen hinhängen. Der Plan ist ja, durch intensivere Planung in der Projektfrühphase die Baukosten zu minimieren.
  • Die Vorstellung, mit einer BIM Planung ein Gebäude auch betreiben zu können, ist möglicherweise etwas blauäugig. Unser Haustechniker jedenfalls eröffnete uns, dass ein BIM Modell „as built“ nochmal extra Honorar erfordert, weil keine ausführende Firma genau das einbaut was geplant wurde bzw. es dann sehr teuer werden kann, wenn man auf einen bestimmten Lieferanten pocht. Über dieses Thema wird zu sprechen sein, da insbesondere die Heiz- und Kühltechnik doch ehr aufwändig werden wird und ich hier schon Vorteile sehe, wenn wir einen Bestand als BIM-Planung haben.

Jedenfalls habe ich am 20. Dezember den Generalplanungsauftrag unterschrieben und jetzt geht es dann wirklich los.

 

Die Suche

Architektenskizzen aus dem Workshop

Wie im Juli berichtet, wollen wir einen Generalübernehmer suchen, der mit einem Planungsteam in einer ersten Phase die Genehmigungs- und Ausführungsplanung nach unseren Vorüberlegungen ausführt und dann in einem zweiten Schritt mit der Ausführung beauftragt wird. Bereits vor der Sommerpause nahm ich Kontakt mit mir bekannten potentiellen Partner auf.

Zugegeben, unsere Ansprüche sind durchaus speziell, auch weil wir mit Revit eine Basis-Software vorgeben und natürlich für die Tragwerksplanung auch Programme der SOFiSTiK AG verwendet werden sollen.  Im folgenden möchte ich auflisten, woran unsere Suche jeweils gescheitert ist und bitte um Verständnis, dass ich hier keine Namen nenne.

Die Kandidaten

  • Firma “A” ist kompetent und absolut leistungsfähig, verwendet aber SOFiSTiK nur für Hallen und nicht für Gebäude
  • Firma “B” hat komplett abgesagt.
  • Firma “C” war hochinteressiert und kann auch alle Kriterien erfüllen, mit ihr sind wir durch eine 25 jährige Kundenbeziehung verbunden, leider musste sie passen, weil sie sich nicht in der Lage sah, die erforderlichen Planungskapazitäten vor Mitte 2017 bereit zu stellen.
  • Firma “D”, spezialisiert auf Bürogebäude und Bürolandschaften war sehr interessiert, verwendet aber einen direkten Wettbewerber zu Revit, das war also auch nichts.
  • Firma “E” hat sich auf diesen Blog hin gemeldet, dies sehr spät, außerdem sind sie gerade erst dabei eine Kompetenz in BIM aufzubauen.
  • Firma “F” hat eine extra Webseite “Bauen mit BIM” und eine E-Mail Adresse, die bim@xyz.de lautet. Auf meine schüchterne Anfrage kam aber leider keine Antwort, weil nicht festgelegt war, wer für das Postfach verantwortlich ist.

Nun, angesichts der großen Auswahl griff ich zum Hörer und habe mich bei “F” durchgefragt.

Es kam zu einem ersten Gespräch, auf das wir ein Angebot für eine Planungsphase “0” erhielten, das zwei Workshops zur Klärung des weiteren Vorgehens  und die Erstellung eines darauf beruhenden Angebots beinhaltete.

Ich gehe davon aus, noch vor Weihnachten einen Planungsauftrag zu unterzeichnen und danach werde ich den Schleier des Schweigens lüften. Dann wird die Frequenz in diesem Blog auch deutlich zunehmen,

Wandel ist Chefsache

Interview in Beratende Ingenieure 7/8 2016

Eigentlich will ich in diesem Blog ja über meine Erfahrungen als Bauherr mit BIM schreiben. “Nebenbei” kümmere ich mich aber darum, die BIM Methode unter den Tragwerksplanern bekannt und populär zu machen. Ich halte hier viele Vorträge, arbeite im Arbeitskreis BIM der Bayerischen Ingenieurekammer Bau mit, entwickle Software und manchmal gebe ich auch Interviews.

Diese Woche bekam ich die Juli Ausgabe von “Beratende Ingenieure“, dem Verbandsmagazin des Verbandes Beratender Ingenieure VBI in die Hände. Es enthält ein Interview über die BIM-Einführung mit mir, dass ich den Lesern dieses Blogs nicht vorenthalten möchte. Wandel ist Chefsache!

Das Grundstück

Wie im ersten Beitrag beschrieben, wurde meinem Kollegen Frank Deinzer im November letzten Jahres ein Grundstück am Nordostbahnhof zum Kauf angeboten. Die Lage war für unsere Bedürfnisse ideal, 5 Minuten von der U-Bahn, zwischen Flughafen und Hauptbahnhof, und auch von der Autobahn A3 sehr gut erreichbar. Vom Zuschnitt war es erkennbar ziemlich schmal und dafür relativ lang. Das wird wohl auch der Grund dafür sein, dass wir es überhaupt angeboten bekommen haben, mittlerweile ist ja ein Run auf innerstädtische Bauflächen entstanden, der schon beängstigend ist. Der geforderte Preis war nicht verhandelbar, aber sehr fair. Das Grundstück wurde uns auch zwei Wochen reserviert, so, dass wir zum Denken beginnen konnten.

Bauen mit Bim - Grundstück

 

 

 

 

 

Zuerst wollte ich wissen, was man auf dem Grundstück überhaupt bauen kann und darf, wir beauftragten das Architekturbüro Wirth mit einer Konzeptstudie.

Das erste ganz schnelle Ergebnis nach Einsicht in den Bebauungsplan ist hier dargestellt. Damit war klar, dass wir ca. 1500 m² Bruttogeschoßfläche bauen dürfen und ich machte mich – mittlerweile auf einer Dienstreise in Mexico und den USA – daran, eine grobe Berechnung der Wirtschaftlichkeit zu erstellen. Unsere Aufsichtsräte stellten kritische Fragen, warum wir unbedingt unsere Energie in einen Neubau verschwenden wollen und nicht einfach etwas Passendes mieten.

Wirtschaftliche Argumente sprachen dann aber mehr für einen Neubau durch den Nutzer als ein Mietobjekt, das entscheidende Argument war aber, dass wir ja unsere BIM-Kompetenz beweisen wollten und sollten. Also gab es grünes Licht für den Grundstückskauf.

Vom Architekten bekamen wir dann einen groben Planungsvorschlag, der bewies, dass man auf dem „Handtuch“ ein funktionierendes Bürogebäude errichten kann. Damit stand dem Notartermin zwei Tage vor Weihnachten nichts mehr im Wege.

15-11-24 EG 15-11-24 1.OG + PH 15-11-24 Systemschnitt 15-11-24 TG 15-11-26 Abstandsflächenplan

Der Plan

Unser Neubauloft

Ein bisschen Erfahrung als Bauherr habe ich ja schon gewinnen können, als ich vor 10 Jahren das Loft ausbauen lies, in dem ich mit Familie seitdem wohne. Eine gute alte Freundin hatte die grundsätzliche Idee, meine Schwester, gelernte Innenarchitektin plante alles bis auf die letzte Fließe und zuletzt beauftragte ich das Architekturbüro Gerhard P. Wirth, die Planunterlagen meiner Schwester Susanne Fink-Beie in die Realität umzusetzen.

Da das Loft ein Neubauloft war, d.h. ein Bauträger baute einen Neubau ohne Innenausbau, und wir sehr bald unser Loft gekauft haben, hatten wir viel Zeit für die Planung. Als der Rohbau an uns übergeben wurde, war wirklich alles geplant, ausgeschrieben und vergeben. Auch einen Fachingenieur für die technische Gebäudeausrüstung hatten wir beauftragt. Die Planung war konventionell und bis auf ein kompliziertes Treppenauge in 2-D. Dennoch wurde der Ausbau termin- und kostengerecht fertig. Das lag ganz sicher wesentlich daran, dass wir für die Planung viel Zeit hatten und nach Abschluss der Planung nichts mehr geändert haben.

Aus diesen Erfahrungen reifte die Idee, vorab mit dem eingespielten Planungsteam eine konventionelle Vorplanung zu beauftragen. Wir sollten erst einmal genauer wissen, was wir überhaupt auf dem Grundstück bauen wollen. Danach will ich einen Generalübernehmer finden, der in der Lage ist, so viel wie möglich mit den Methoden von BIM zu planen und zu bauen. Mit diesem soll das Bauwerk partnerschaftlich und transparent errichtet werden. Natürlich ist der Gebrauch von SOFiSTiK Programmen und von Autodesk Revit zumindest im Bereich der Tragwerksplanung Pflicht.

In einer ersten Phase erwarte ich einen Festpreis für die Planung und eine Schätzung für die Ausführung, danach einen festen Preis und Termin für die Ausführung.

Ob das alles so klappt und die Vorgehensweise auch von Vorteil für alle Beteiligten ist, wird die Zukunft zeigen und soll weiter in diesem Blog dokumentiert werden.

HISTORIE UND MOTIVATION

Bauen mit Bim - Building Smart

 

 

 

 

Vor 20 Jahren wurde die SOFiSTiK GmbH, Vorläufer der SOFiSTiK AG Gründungsmitglied der Industrieallianz für Interoperabilität, kurz IAI, aus der die jetzige Building Smart hervorging. Schon vor dieser Zeit träumten wir von der Möglichkeit, an einem Computermodell alle Sparte der Bauplanung gemeinsam und nicht gegeneinander abzubilden.

Wir, das bin ich, mein Mitgründer Casimir Katz und die vielen Kollegen, die bei uns in der SOFiSTiK AG arbeiten.

In diesen 20 Jahren haben wir viel Überzeugungsarbeit in unserer Branche geleistet, aber auch einiges an Produkten geschaffen, die für den Bauingenieur im BIM Umfeld eine Hilfe sein sollen. Man kann also mit Fug und Recht sagen, dass wir von der Thematik etwas verstehen. (Details hierzu in einem späteren Beitrag)

Nun wird unser Nürnberger Büro langsam zu klein und wir haben beschlossen einen Neubau errichten zu lassen. Kollege Frank Deinzer fand ein passendes Grundstück und wir waren uns intern sofort einig, dass unser Neubau ein Musterbeispiel für die BIM-Anwendung werden soll. Wir kennen uns ja schließlich aus!

Bei näherer Betrachtung habe ich schnell feststellen müssen, dass wir uns auf dem Gebiet der Tragwerksplanung richtig gut auskennen, von Architektur schon mal was gehört haben und von der Haustechnik wenig Ahnung haben. Was tun? BIM sollt es für unser Gebäude schon sein, alles andere kommt nicht in Frage. Die Rolle des Bauherrn erfordert Kenntnisse, die ich mir nicht unbedingt aneignen möchte, es wird das erste und letzte Bauvorhaben dieser Größenordnung als Bauherr in meinem Leben sein.

Ich entwickelte einen Plan, über den im nächsten Beitrag berichtet wird. Dieser Blog soll über unsere Erfahrungen  als Bauherr bei „Bauen mit BIM“ regelmäßig berichten.

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