Das Baugesuch

Eberhard Beck, WaBePlan -  Thomas Fink, SOFiSTiK - Peter Larsson, Wolff & Müller (v.l.n.r.)

Am Gründonnerstag war es dann soweit: Ich bekam Besuch von unserem Generalübernehmer Peter Larsson (Wolff & Müller) und dem Architekten Eberhard Beck (Wabe-Plan). Sie brachten 5 mitteldicke Mappen und ich durfte eine gefühlte Stunde lang unterschreiben. Danach gingen die Unterlagen an die Bauordnungsbehörde und in Kopie an die Nachbarn. Der zweite große Schritt nach dem Grundstückskauf war geschafft.

Wir haben nicht nur Pläne sondern auch ein Revit-Modell im nötigen Detaillierungsgrad, das wir so bauen wollen, sofern es genehmigt wird. Aber da haben wir ja bereits einige Gespräche mit den zuständigen Stellen geführt. Die Außenabmessungen und alle tragenden Bauteile sehen wir als fertig geplant an. Im Blog kann man sehen, wie wir uns vom allerersten Entwurf zu der jetzt eingereichten Lösung hin entwickelt haben.

Die wesentlichen Pläne möchte ich meinen Lesern nicht vorenthalten:

Längs- und Querschnitt

Freianlagen

Ansichten

Grundrisse

Und dann haben wir ganz einfach und schnell mit unserer Applikation 3-D-PDF Export eine dreidimensionale PDF erzeugt. Der neue Acrobat Reader DC ist vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber wenn man mit einem Rechts-Klick im Menü Werkzeuge die Werkzeugleiste eingeblendet hat, kann man sich das Modell schön ansehen. Besonders gefällt mir die Möglichkeit, Schnitte durch das Gebäude zu legen.

Wie geht es nun weiter? Wir fangen sofort mit der Ausführungsplanung an, insbesondere kommen nun die Feinplanungen der Innenarchitektur. Bleiben Sie dran!

Der Auftrag

Wie im letzten Beitrag berichtet, haben wir für eine Planungsphase „0“ einen kleinen Auftrag vergeben, und zwar an das Stuttgarter Familienunternehmen WOLFF & MÜLLER. Diese stellte ein Planungsteam zusammen, das uns in einem Workshop in Stuttgart präsentiert wurde.

Alle Büros haben Erfahrung im Umgang mit Revit und haben mit WOLFF & MÜLLER bereits zusammengearbeitet. Boll und Partner ist seit vielen Jahren Kunde unseres Hauses und in der jungen Generation einer unserer „Vorzeigekunden“ für BIM.

WOLFF & MÜLLER übernimmt neben der Generalplanung auch die BIM Koordination. Technisch wird die Planung auf Citrix Servern ausgeführt, die im Hause WOLFF & MÜLLER stehen. Es wird ein gemeinsames Modell für Architektur und Tragwerksplanung geben sowie ein damit verknüpftes für die technische Gebäudeausrüstung. Also „BIG BIM“ aber Closed. Von einem Open BIM Kozept wurde uns dringend abgeraten, aber das hatten wir ja ohnehin nicht im Sinn.

Workshops

Von einigen „Aha-Erlebnissen“ während der Workshops kann ich noch berichten:

  • Uns wurde ein Preis für die Planungsphasen 1-4 der HOAI angeboten, das ist alles bis zur Genehmigungsplanung. Nach meiner Meinung macht das bei einer BIM Planung keinen Sinn, ich habe ein Angebot für die gesamte Planung angefordert und auch beauftragt.
  • Es scheint sinnvoll zu sein, die Baufirma bereits bei den ersten Planungsüberlegungen am Tisch sitzen zu haben, sie kann immer relativ schnell ein Preisschild an alle Planungsalternativen hinhängen. Der Plan ist ja, durch intensivere Planung in der Projektfrühphase die Baukosten zu minimieren.
  • Die Vorstellung, mit einer BIM Planung ein Gebäude auch betreiben zu können, ist möglicherweise etwas blauäugig. Unser Haustechniker jedenfalls eröffnete uns, dass ein BIM Modell „as built“ nochmal extra Honorar erfordert, weil keine ausführende Firma genau das einbaut was geplant wurde bzw. es dann sehr teuer werden kann, wenn man auf einen bestimmten Lieferanten pocht. Über dieses Thema wird zu sprechen sein, da insbesondere die Heiz- und Kühltechnik doch ehr aufwändig werden wird und ich hier schon Vorteile sehe, wenn wir einen Bestand als BIM-Planung haben.

Jedenfalls habe ich am 20. Dezember den Generalplanungsauftrag unterschrieben und jetzt geht es dann wirklich los.

 

Raumprogramm und Innenarchitektur

Susanne Fink-Beie

Die Zeit bis zum zweiten Entwurf wollten wir natürlich nutzen. Ich habe meine Schwester Susanne Fink-Beie, eine erfahrene Innenarchitektin ins Boot geholt. Über Ihre ersten Kontakte mit BIM hat sie folgenden Gastbeitrag geschrieben:

Als mein Bruder mich fragte, ob ich ihn bei der Planung und Innenraumgestaltung des neuen Bürogebäudes der SOFiSTiK AG fachlich beraten und unterstützen möchte, war meine spontane Reaktion “aber sehr gerne, ich freue mich darauf”

“Ich baue und plane aber mit BIM!” – war seine Antwort

“Upps”, war meine Antwort – Bimsalabim und das Gebäude steht??

Ich zeichne und koloriere meine ersten Ideen und Entwürfe „klassisch” auf Transparentpapier, scanne und speichere diese ab. Größere Projekte werden dann im CAD weiter bearbeitet. Teamwork im CAD ist mir nicht fremd, „Bauen mit BIM” für mich absolutes Neuland.

So war es früher - ganz ohne BIM

So war es früher – ganz ohne BIM

Wie kann man von Anfang an alle Komponenten (Entwurf, Werkplanung, Statik, Haustechnik, Innenraumgestaltung, Detailplanung) in 3-D entwerfen und planen. Kämpfen nicht nur wir Architekten im Alltag noch immer mit den Schnittstellen bei der Übertragung von einfachen DFX/DWG-Daten in 2-D oder 3-D, soll jetzt von Anfang an ein Gebäude bis zum letzten Detail in 3-D modelliert werden. Wie funktioniert der Datenaustausch?

Wie kompatibel sind die Daten z.B. für eine Innenausbaufirma, die diese Daten für Ihre CNC-Maschine benötigt? Die momentane Praxis zeigt, dass selbst DXF/DWG-Daten oft nur als Grundlage dienen und die Firmen aufgrund der Maschinenvorgaben neu zeichnen. Ist BIM dann sinnvoll und

welche Auswirkungen hat BIM am Schluss auf die Baukosten?

Der Leser merkt, ich bin skeptisch, aber auch neugierig, denn sonst würden mir diese Fragen nicht durch den Kopf gehen. Nun, ich bin sehr gespannt. Vielleicht bin ich am Schluss überzeugt von Bauen mit BIM?

Derzeit befindet sich das Projekt in der Leistungsphase 1-2 der HOAI. Es gibt einen gestalterisch überzeugenden Entwurf der Gebäudehülle durch das Team Architekturbüro Gerhard Wirth.

Ich habe anhand eines Fragenkataloges die Wünsche bezüglich der Innenraumgestaltung der Mitarbeiter analysiert und ausgewertet.

Themenliste für die Befragung der Mitarbeiter

Themenliste für die Befragung der Mitarbeiter

So konnten mein Bruder und ich sehr schnell ein Raumkonzept entwickeln, dass auch vom Vorstand der SOFiSTiK verabschiedet wurde. Das Entwurfskonzept steht.

Erstes Nutzungskonzept

Erstes Nutzungskonzept

Ein erstes Kontaktgespräch mit einem Bauunternehmen, das Erfahrungen in „Bauen mit BIM” vorweisen kann, hat es ebenfalls schon gegeben. Dieses Gespräch hat mir zwar etwas die „Türchen” zu BIM geöffnet, konnte aber meine Zweifel noch nicht aus dem Weg räumen. Seitens der Firma wurde vorgeschlagen, einen 2-3 Tage Klausur-Workshop mit allen Beteiligten durchzuführen, sollte sich SOFiSTiK zu weiteren Schritten Richtung BIM entscheiden. In diesem Workshop soll das Entwurfskonzept weiter bearbeitet und vertieft werden.

Ich finde den Vorschlag spannend und interessant. Ich bin sehr neugierig wie es mit dem Thema BIM weitergeht und werde berichten.

 

Der Architekt (oder “Was bitte ist BIM”)

Architekt Gerhard P. Wirth

Im folgenden ein Gastbeitrag unseres Architekten Gerhard P. Wirth:

Als Architekt gehöre ich mit Jahrgang 1960 zu denjenigen, welche erst nach dem Studium mit dem Thema CAD in Berührung kamen. Bei meiner Bürogründung 1988 war ein Fax das Maß aller Dinge.

1988 war auch das Jahr in welchem ich Thomas Fink, damals noch Statikbüro fink+kreutz, kennenlernte. Gemeinsam realisierten wir Baumaßnahmen in der Region und freundeten uns an.

1992 zog CAD in mein Büro ein und ist heute nicht mehr wegzudenken. Thomas versucht seit Jahren mich auf den Zug BIM aufspringen zu lassen. Bis heute habe ich mich jedoch „verweigert“ mit der Konsequenz nun für den Neubau der SOFISTIK AG „nur“ den Vorentwurf erstellen zu dürfen, da ich ja nicht BIM affin bin.

Ich bin überzeugt das in BIM ein großer Teil der Zukunft unserer Bauwirtschaft liegt. Das Schaffen meines Büros konzentriert sich auf meist sehr individuelle Bauwerke – auf Unikate im Neubau und  im Bestand. Meine Sorge in Sachen BIM gilt zum einen der seriellen Gleichschaltung von Bauteilen und eine dadurch einhergehende Zurückhaltung hinsichtlich Individualität. Zum anderen an der wohl noch fehlenden Anzahl von ausgebildeten „BIM-Architekten“. Diese Erfahrung machte vor kurzem ein BIM enttäuschter Kollege.

Die Entwurfsidee für den Neubau der SOFISTIK AG ist die „Büroallee an den Höfen“. Bedingt durch den länglichen und schmalen Grundstückszuschnitt, haben wir dem Baukörper nach mehreren Volumenstudien skulptural modelliert und mit zwei Höfen große Aufenthaltsraumqualität verliehen.

 

Formfindung

Formfindung

 

Lageplan und Entwurfsvarianten

Lageplan und Entwurfsvarianten

Der Neubau entsteht unmittelbar an der Schnittstelle eines Gewerbeareals zu einem Wohnquartier. Hierdurch ist Sensibilität gegenüber der Nachbarschaft wie auch Individualität für die SOFISTIK AG im großen Maße gefordert. In den Vorgesprächen mit dem Stadtplanungsamt der Stadt Nürnberg, in Hinblick auf die Verträglichkeit unserer Entwurfsidee mit dem B-Plan, war der maßgeschneiderte, skulpturale Entwurf sehr hilfreich. Die Behörden stehen einer Baugenehmigung positiv gegenüber!

Grundrisstruktur

Grundrisstruktur

Modellfotos und Gebäudedaten

Modellfotos und Gebäudedaten

Nachdem Thomas bei der letzten Präsentation im Stadtplanungsamt erläuterte das Vorhaben durchgängig in BIM realisieren zu wollen wurde ihm folgende Frage gestellt: „Was bitte ist BIM?“.

So, jetzt bin ich gespannt, ob ich meinen Freund Gerhard und das Stadtplanungsamt überzeugen kann! Auf alle Fälle hat er uns mit seiner Entwurfsidee überzeugt, und das ist ja auch seine Aufgabe gewesen.

Der erste Entwurf

Erste Aktivität: Das Bohrgerät für die Sondierungen am Grundstück

Weil die Altlastensituation unseres Grundstücks ungeklärt war und der Verkäufer dafür nicht haften wollte, haben wir ein Rücktrittsrecht vereinbart bis wir dieses Risiko durch ein Bodengutachten abgeklärt haben.  Das Beitragsbild zeigt die Bohrmaschine, die Sachbearbeiterin des Gutachters und den Bauherrn.

Die Zeit haben wir genutzt um einen ersten Entwurf erstellen zu lassen und diesen mit dem Stadtplanungsamt zu besprechen. Wir wollten dabei auch klären, ob die GFZ von 1,2, die im Bebauungsplan festgelegt ist, das letzte Wort darstellt. So ganz einfach war es dann doch nicht, auf dem schmalen Grundstück eine anspruchsvolle Architektur zu entwickeln, die darüber hinaus noch eine wirtschaftliche Nutzung des Gebäudes zulässt.

Von der Stadt Nürnberg haben wir nach Vorlage des ersten Entwurfs die Antwort bekommen, dass man die GFZ auch geringfügig überschreiten kann, aber auch den Hinweis, dass wir – speziell auf der Nordseite – keine lange gerade eintönige Fassade planen sollten.

Das alles war im Februar und im März. Im April bekamen wir das Bodengutachten, wir müssen in geringem Umfang mit Altlasten rechnen, die auf den Sondermüll gefahren werden müssen. Daraufhin verzichteten wir auf unser Rücktrittsrecht, bezahlten den Kaufpreis und sind jetzt Eigentümer des Grundstücks Flataustraße 14.

Im nächsten Beitrag – wegen Urlaub erst im September – werde ich von dem zweiten verbesserten Entwurf berichten und ab dann geht es wirklich um BIM. Versprochen!!!

Tiefgeschoss

Tiefgeschoss

Erdgeschoß

Erdgeschoß

Obergeschoß und Penthouse

Obergeschoß und Penthouse

Abstandsflächen

Abstandsflächen

 

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