In der Höhle

In der Cave

Im August hatten wir die Gelegenheit, den Planungsstand in der Cave des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in 3D anzusehen. Ermöglicht wurde dies durch eine Kooperation zwischen unserem Generalplaner Wolff & Müller und dem IAO. Wir, das waren neben Vertretern der Bauherrschaft Planer und Bauleiter.

Die Cave

Hauptbestandteil des Labors ist ein 3D-Projektionssystem mit einer 5,5 m langen und 3,4 m hohen Powerwall sowie einer integrierten 4-Seiten-Cave. Beides wird von 11 Projektoren betrieben, die 25 Millionen Pixel erzeugen und so kontrast- und lichtstark sind, dass auch viel Tageslicht kein Problem darstellt. Echtzeitvisualisierung und ein hochpräzises Trackingsystem erlauben das Eintauchen des Nutzers in die virtuelle Umgebung, was als Immersion bezeichnet wird. Die Verbindung des VR-Systems mit moderner Besprechungsinfrastruktur ermöglicht Meetings, die die Vorteile von klassischen Präsenz-Sitzungen und die der Virtualität voll ausnützen. So wird »Virtual Prototyping« zu »Immersive Engineering«. (Quelle: Webseite des IAO)

 

 

Alle Fotos: Nicole Baumgartner oder Marina Stiber

 

Das BIM Modell

Betrachtet haben wir das BIM Modell, an dem noch bis zuletzt heftig gearbeitet wurde. Es deckt die Gewerke Architektur, Tragwerksplanung (hier insbesondere das Bewehrungsmodell), Elektro, Sanitär, Heizung und Lüftung ab. Einige Räume sind exemplarisch in einem gesonderten Teilmodell bereits möbliert worden. Auch die Gebäude in der Umgebung wurden schematisch modelliert. Wie in früheren Beiträgen bereits beschrieben wurde dies komplett mit Autodesk REVIT modelliert.

Impressionen

Prinzipiell funktioniert das Ganze wie im Kino, wenn der Film in 3D produziert wurde.  Der Betrachter hat benötigt eine Brille mit polarisierenden Gläsern und hat einen dreidimensionalen Eindruck. Dies kann gut mit mehreren Personen gleichzeitig passieren. Eine Brille hat 8 weiße Kugeln, die von Kameras verfolgt werden. Damit kann der Träger dieser Brille sich bücken und beispielsweise unter einen virtuellen Tisch blicken, das Bild folgt in Echtzeit. Verblüffend!

Wie in REVIT können verschiedene Kategorien ein- aus- oder transparent geschaltet werden, was von gewissem Vorteil ist, wenn man die Bewehrung ansehen und überprüfen möchte.  Und das geht mit diesem Aufwand richtig gut, alle Eisen sind in natürlicher Größe dargestellt, ein erfahrener Ingenieur würde auch ohne Statik Fehler erkennen können. (Ersichtliche Fehler im Bewehrungsmodell haben wir aber nicht gefunden!)

Klar, manche Unstimmigkeit haben wir sofort gesehen, einige davon wären so auch nicht ausgeführt worden. Den Rauchmelder kann man schließlich nicht freischwebend im Treppenhaus montieren. Den Regenwasserablauf 20 cm über dem Zugangsweg hätte man so auch nicht gebaut, aber vielleicht hätte es Verzögerungen gegeben, weil die Längen der Anschlussteile nicht gepasst hätten.

Eindrucksvoll war die Haustechnik im transparenten Modell zu sehen, da bekommen wir eine ganze Menge geliefert. Und spannend auch die Prüfung der Blickbeziehungen von den künftigen Schreibtischen. Man konnte genau erkennen, was man da sieht, innen wie außen.

 

 

Der Auftrag

Wie im letzten Beitrag berichtet, haben wir für eine Planungsphase „0“ einen kleinen Auftrag vergeben, und zwar an das Stuttgarter Familienunternehmen WOLFF & MÜLLER. Diese stellte ein Planungsteam zusammen, das uns in einem Workshop in Stuttgart präsentiert wurde.

Alle Büros haben Erfahrung im Umgang mit Revit und haben mit WOLFF & MÜLLER bereits zusammengearbeitet. Boll und Partner ist seit vielen Jahren Kunde unseres Hauses und in der jungen Generation einer unserer „Vorzeigekunden“ für BIM.

WOLFF & MÜLLER übernimmt neben der Generalplanung auch die BIM Koordination. Technisch wird die Planung auf Citrix Servern ausgeführt, die im Hause WOLFF & MÜLLER stehen. Es wird ein gemeinsames Modell für Architektur und Tragwerksplanung geben sowie ein damit verknüpftes für die technische Gebäudeausrüstung. Also „BIG BIM“ aber Closed. Von einem Open BIM Kozept wurde uns dringend abgeraten, aber das hatten wir ja ohnehin nicht im Sinn.

Workshops

Von einigen „Aha-Erlebnissen“ während der Workshops kann ich noch berichten:

  • Uns wurde ein Preis für die Planungsphasen 1-4 der HOAI angeboten, das ist alles bis zur Genehmigungsplanung. Nach meiner Meinung macht das bei einer BIM Planung keinen Sinn, ich habe ein Angebot für die gesamte Planung angefordert und auch beauftragt.
  • Es scheint sinnvoll zu sein, die Baufirma bereits bei den ersten Planungsüberlegungen am Tisch sitzen zu haben, sie kann immer relativ schnell ein Preisschild an alle Planungsalternativen hinhängen. Der Plan ist ja, durch intensivere Planung in der Projektfrühphase die Baukosten zu minimieren.
  • Die Vorstellung, mit einer BIM Planung ein Gebäude auch betreiben zu können, ist möglicherweise etwas blauäugig. Unser Haustechniker jedenfalls eröffnete uns, dass ein BIM Modell „as built“ nochmal extra Honorar erfordert, weil keine ausführende Firma genau das einbaut was geplant wurde bzw. es dann sehr teuer werden kann, wenn man auf einen bestimmten Lieferanten pocht. Über dieses Thema wird zu sprechen sein, da insbesondere die Heiz- und Kühltechnik doch ehr aufwändig werden wird und ich hier schon Vorteile sehe, wenn wir einen Bestand als BIM-Planung haben.

Jedenfalls habe ich am 20. Dezember den Generalplanungsauftrag unterschrieben und jetzt geht es dann wirklich los.

 

Wandel ist Chefsache

Interview in Beratende Ingenieure 7/8 2016

Eigentlich will ich in diesem Blog ja über meine Erfahrungen als Bauherr mit BIM schreiben. “Nebenbei” kümmere ich mich aber darum, die BIM Methode unter den Tragwerksplanern bekannt und populär zu machen. Ich halte hier viele Vorträge, arbeite im Arbeitskreis BIM der Bayerischen Ingenieurekammer Bau mit, entwickle Software und manchmal gebe ich auch Interviews.

Diese Woche bekam ich die Juli Ausgabe von “Beratende Ingenieure“, dem Verbandsmagazin des Verbandes Beratender Ingenieure VBI in die Hände. Es enthält ein Interview über die BIM-Einführung mit mir, dass ich den Lesern dieses Blogs nicht vorenthalten möchte. Wandel ist Chefsache!

Der Plan

Unser Neubauloft

Ein bisschen Erfahrung als Bauherr habe ich ja schon gewinnen können, als ich vor 10 Jahren das Loft ausbauen lies, in dem ich mit Familie seitdem wohne. Eine gute alte Freundin hatte die grundsätzliche Idee, meine Schwester, gelernte Innenarchitektin plante alles bis auf die letzte Fließe und zuletzt beauftragte ich das Architekturbüro Gerhard P. Wirth, die Planunterlagen meiner Schwester Susanne Fink-Beie in die Realität umzusetzen.

Da das Loft ein Neubauloft war, d.h. ein Bauträger baute einen Neubau ohne Innenausbau, und wir sehr bald unser Loft gekauft haben, hatten wir viel Zeit für die Planung. Als der Rohbau an uns übergeben wurde, war wirklich alles geplant, ausgeschrieben und vergeben. Auch einen Fachingenieur für die technische Gebäudeausrüstung hatten wir beauftragt. Die Planung war konventionell und bis auf ein kompliziertes Treppenauge in 2-D. Dennoch wurde der Ausbau termin- und kostengerecht fertig. Das lag ganz sicher wesentlich daran, dass wir für die Planung viel Zeit hatten und nach Abschluss der Planung nichts mehr geändert haben.

Aus diesen Erfahrungen reifte die Idee, vorab mit dem eingespielten Planungsteam eine konventionelle Vorplanung zu beauftragen. Wir sollten erst einmal genauer wissen, was wir überhaupt auf dem Grundstück bauen wollen. Danach will ich einen Generalübernehmer finden, der in der Lage ist, so viel wie möglich mit den Methoden von BIM zu planen und zu bauen. Mit diesem soll das Bauwerk partnerschaftlich und transparent errichtet werden. Natürlich ist der Gebrauch von SOFiSTiK Programmen und von Autodesk Revit zumindest im Bereich der Tragwerksplanung Pflicht.

In einer ersten Phase erwarte ich einen Festpreis für die Planung und eine Schätzung für die Ausführung, danach einen festen Preis und Termin für die Ausführung.

Ob das alles so klappt und die Vorgehensweise auch von Vorteil für alle Beteiligten ist, wird die Zukunft zeigen und soll weiter in diesem Blog dokumentiert werden.

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