Alter Wein in neuen Schläuchen?

Baubesprechnung mit herkömmlichen Medien

Wie in den vorigen Beiträgen beschrieben, plant ein engagiertes und kompetentes Team nach BIM Methoden für einen Bauherrn, der von BIM völlig überzeugt ist, ein Bürogebäude. Der Bauherr wird von einem Architekten und einer Innenarchitektin begleitet, die vorher keine Berührung mit BIM hatten und erst so langsam versuchen zu verstehen, welche Vorteile diese Methode für uns alle haben kann.

Vorteile kann Sie haben, insbesondere, wenn man einmal soweit ist, viele herkömmliche Vorgehensweisen über Bord zu werfen und vollständig im Kopf umgeparkt hat. Ich erzähle jetzt mal ein paar Dinge, die beim nächsten Projekt sicher noch besser laufen. Aber vielleicht hat das ja auch mit BIM gar nichts zu tun (siehe Titel)? Ich möchte damit in keinster Weise meine Auftragnehmer schlecht machen, das sind sie ja nun wirklich nicht, ganz im Gegenteil!

Denken in Plänen

Da wird immer noch gerne in Plänen gedacht. Ich hatte von Anfang an vereinbart, lesenden Zugang zu dem Server bei Wolff & Müller zu bekommen, auf dem das Team arbeitet. Meine Idee war, dass ich aus dem Revit Modell mehr ablesen kann als aus Plänen und das allen Beteiligten nur helfen kann. Ich hatte fast den Eindruck, dass seitens einiger Mitarbeiter der Baufirma etwas gemauert wurde. Ich sollte nur freigegebene Planstände mit zugehörigem Modell erhalten. Alte Denke in meinen Augen, es geht mir ja nicht darum, irgendwelche Vertragsverletzungen zu recherchieren, mit denen ich Abzüge bei der Schlussrechnung begründen kann. Vielmehr ist eines der wichtigsten Ziele, gemeinsam alle Planungsfehler (auch die der anderen) so frühzeitig zu erkennen, dass sie ohne große Kosten ausgebügelt werden können. Ich könnte statt von Fehlern auch von Planungsvarianten sprechen, zu Fehlern werden sie ja erst im Laufe der Zeit.

Der modellierte Windfang

Baubesprechnung mit Architekten

Mittlerweile kann ich mir jede Woche einen Planstand des Revit Modells runterladen. Das Architektenteam hätte sich einige Arbeit erspart, wenn ich das schon vorher gekonnt hätte. Sie dachten nämlich, Ihrem Bauherrn würde ein schicker Windfang am Eingang gut gefallen und hatten diesen ohne weitere Rücksprache sorgfältig modelliert. Bei der nächsten Baubesprechung war die Überraschung groß, als ich spontan sagte: “Einen Windfang benötigen wir nicht!”. Man hätte hier natürlich auch zum Telefonhörer greifen oder zumindest eine erste Bleistiftskizze an uns senden können ……

Zeitplan

Und dann ging es darum, dass wir irgendwann ja auch einmal eine Eingabeplanung bei der Stadt Nürnberg einreichen wollen. Da die Genehmigungszeiten derzeit zwischen 4 und 6 Monaten liegen sollte dies nicht zu spät erfolgen. Wir haben beschlossen, dass dazu die äußeren Abmessungen, das Tragsystem, die Einteilung in Büro-, Verkehrsflächen und Funktionsräume sowie die Außenanlagen und die prinzipielle Funktion der Haustechnik fertig geplant sein sollten, leichte Trennwände aber noch verschoben werden können. Diese sollten erst im Rahmen der Ausführungsplanung fixiert werden. Darauf meinte mein Nürnberger “Nicht-BIM-Architekt” Gerhard Wirth spontan: “Das ist ja genauso wie wir es immer machen”.

Ich bin überzeugt, dass BIM dogmatisch auch nicht die optimale Lösung ist. Wenn der Aushub beginnt, wollen wir eine vollständige Planung mit Möblierung und Platzaufteilung der Mitarbeiter fertig haben.

Fazit

Die meisten der alten Tugenden bei der Bauplanung sind weiterhin hilfreich, insbesondere die persönliche Kommunikation darf nicht durch einen Server abgewickelt werden.

PS: Der Bauantrag ist mittlerweile eingereicht, ich werde ihn im nächsten Beitrag vorstellen.

Die Suche

Architektenskizzen aus dem Workshop

Wie im Juli berichtet, wollen wir einen Generalübernehmer suchen, der mit einem Planungsteam in einer ersten Phase die Genehmigungs- und Ausführungsplanung nach unseren Vorüberlegungen ausführt und dann in einem zweiten Schritt mit der Ausführung beauftragt wird. Bereits vor der Sommerpause nahm ich Kontakt mit mir bekannten potentiellen Partner auf.

Zugegeben, unsere Ansprüche sind durchaus speziell, auch weil wir mit Revit eine Basis-Software vorgeben und natürlich für die Tragwerksplanung auch Programme der SOFiSTiK AG verwendet werden sollen.  Im folgenden möchte ich auflisten, woran unsere Suche jeweils gescheitert ist und bitte um Verständnis, dass ich hier keine Namen nenne.

Die Kandidaten

  • Firma “A” ist kompetent und absolut leistungsfähig, verwendet aber SOFiSTiK nur für Hallen und nicht für Gebäude
  • Firma “B” hat komplett abgesagt.
  • Firma “C” war hochinteressiert und kann auch alle Kriterien erfüllen, mit ihr sind wir durch eine 25 jährige Kundenbeziehung verbunden, leider musste sie passen, weil sie sich nicht in der Lage sah, die erforderlichen Planungskapazitäten vor Mitte 2017 bereit zu stellen.
  • Firma “D”, spezialisiert auf Bürogebäude und Bürolandschaften war sehr interessiert, verwendet aber einen direkten Wettbewerber zu Revit, das war also auch nichts.
  • Firma “E” hat sich auf diesen Blog hin gemeldet, dies sehr spät, außerdem sind sie gerade erst dabei eine Kompetenz in BIM aufzubauen.
  • Firma “F” hat eine extra Webseite “Bauen mit BIM” und eine E-Mail Adresse, die bim@xyz.de lautet. Auf meine schüchterne Anfrage kam aber leider keine Antwort, weil nicht festgelegt war, wer für das Postfach verantwortlich ist.

Nun, angesichts der großen Auswahl griff ich zum Hörer und habe mich bei “F” durchgefragt.

Es kam zu einem ersten Gespräch, auf das wir ein Angebot für eine Planungsphase “0” erhielten, das zwei Workshops zur Klärung des weiteren Vorgehens  und die Erstellung eines darauf beruhenden Angebots beinhaltete.

Ich gehe davon aus, noch vor Weihnachten einen Planungsauftrag zu unterzeichnen und danach werde ich den Schleier des Schweigens lüften. Dann wird die Frequenz in diesem Blog auch deutlich zunehmen,

Der Architekt (oder “Was bitte ist BIM”)

Architekt Gerhard P. Wirth

Im folgenden ein Gastbeitrag unseres Architekten Gerhard P. Wirth:

Als Architekt gehöre ich mit Jahrgang 1960 zu denjenigen, welche erst nach dem Studium mit dem Thema CAD in Berührung kamen. Bei meiner Bürogründung 1988 war ein Fax das Maß aller Dinge.

1988 war auch das Jahr in welchem ich Thomas Fink, damals noch Statikbüro fink+kreutz, kennenlernte. Gemeinsam realisierten wir Baumaßnahmen in der Region und freundeten uns an.

1992 zog CAD in mein Büro ein und ist heute nicht mehr wegzudenken. Thomas versucht seit Jahren mich auf den Zug BIM aufspringen zu lassen. Bis heute habe ich mich jedoch „verweigert“ mit der Konsequenz nun für den Neubau der SOFISTIK AG „nur“ den Vorentwurf erstellen zu dürfen, da ich ja nicht BIM affin bin.

Ich bin überzeugt das in BIM ein großer Teil der Zukunft unserer Bauwirtschaft liegt. Das Schaffen meines Büros konzentriert sich auf meist sehr individuelle Bauwerke – auf Unikate im Neubau und  im Bestand. Meine Sorge in Sachen BIM gilt zum einen der seriellen Gleichschaltung von Bauteilen und eine dadurch einhergehende Zurückhaltung hinsichtlich Individualität. Zum anderen an der wohl noch fehlenden Anzahl von ausgebildeten „BIM-Architekten“. Diese Erfahrung machte vor kurzem ein BIM enttäuschter Kollege.

Die Entwurfsidee für den Neubau der SOFISTIK AG ist die „Büroallee an den Höfen“. Bedingt durch den länglichen und schmalen Grundstückszuschnitt, haben wir dem Baukörper nach mehreren Volumenstudien skulptural modelliert und mit zwei Höfen große Aufenthaltsraumqualität verliehen.

 

Formfindung

Formfindung

 

Lageplan und Entwurfsvarianten

Lageplan und Entwurfsvarianten

Der Neubau entsteht unmittelbar an der Schnittstelle eines Gewerbeareals zu einem Wohnquartier. Hierdurch ist Sensibilität gegenüber der Nachbarschaft wie auch Individualität für die SOFISTIK AG im großen Maße gefordert. In den Vorgesprächen mit dem Stadtplanungsamt der Stadt Nürnberg, in Hinblick auf die Verträglichkeit unserer Entwurfsidee mit dem B-Plan, war der maßgeschneiderte, skulpturale Entwurf sehr hilfreich. Die Behörden stehen einer Baugenehmigung positiv gegenüber!

Grundrisstruktur

Grundrisstruktur

Modellfotos und Gebäudedaten

Modellfotos und Gebäudedaten

Nachdem Thomas bei der letzten Präsentation im Stadtplanungsamt erläuterte das Vorhaben durchgängig in BIM realisieren zu wollen wurde ihm folgende Frage gestellt: „Was bitte ist BIM?“.

So, jetzt bin ich gespannt, ob ich meinen Freund Gerhard und das Stadtplanungsamt überzeugen kann! Auf alle Fälle hat er uns mit seiner Entwurfsidee überzeugt, und das ist ja auch seine Aufgabe gewesen.

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